Posted by: Lukas | February 9, 2010

Es ist Halbzeit – in sechs Monaten bin ich wieder da

Ein neues Schuljahr fängt an

 

Mit dem Beginn des neuen Jahres beginnt in Bolivien auch ein neues Schuljahr. Logischerweise muss jede Mama ihren Knirps neu in die Schule einschreiben. Weil das ab und an von den Eltern vernachlässigt wird, habe ich das für einige Kinder aus meinem Projekt übernommen.

Ich komme also auf das Schulgelände und stelle mich in die einzige Schlange die es gibt. Diese ist etwa 20 Meter lang. Es ist gegen 14 Uhr Nachmittags, die Sonne scheint noch, aber es droht ein Regenschauer; in der Ferne sieht man dunkle, fast schwarze Wolken. Die Schlange führt in ein Büro hinein über den Sportplatz der Schule, welcher wiederum überdacht ist, zum Glück. Mit mir zusammen warten Elly und ihr Bruder Rolly. Sie soll für die Nachmittagsphase (14-19 Uhr), er für die Morgenphase (8-13 Uhr) eingeschrieben werden. Das Warten ist langweilig und so beschließe ich, den beiden einen Trick mit dem Kugelschreiber beizubringen. Der Mann vor mir fragt, ob ich ihm meinen Kugelschreiber ausleihen könne, er müsse noch dieses Formularunterschreiben. „Welches Formular?“, frage ich ihn. „Das, das Sie in dem Büro dort vorne bekommen!“, antwortet er und zeigt auf ein kleines, verfallenes Häuschen. Ich schicke Rolly los, das Formular zu holen. Es ist 15 Uhr, die Schlange etwa 50 Meter lang und nach vorne hat sich noch nichts bewegt. Eine halbe Stunde später kommt er mit den Formularen und 0,4 € weniger – soviel kosten beide – zurück. Der Mann vor mir sagt, man müsse selbige noch ausfüllen lassen. In dem Büro dort drüben. Rolly stellt sich in die nächste Schlange an. Der Mann vor mir lässt seinen Sohnemann Platz halten und geht nach Hause zum Mittagessen und anschließender Siesta. Es ist 16 Uhr, Rolly holt mich, man braucht einen Verantwortlichen. Ein freundlicher Mann schreibt für uns die Daten ins Formular. Ich bin vermutlich der einzige Verantwortliche, der es auch selbst hätte ausfüllen können. Die meisten Eltern können nicht schreiben. „Name?“ „Rolly“ „Phase?“ „Morgens!“ „Ja, das tut mir Leid, da müssen Sie morgens kommen!“ „Gut, kann ich das Mädchen einschreiben?“ „Ja!“

Name?

Vorname?

Muttersprache? Quechua, Aymara, Guaraní, Moxeno, Spanisch, Besira (Chiquitano), sonstiges

Der Schüler ist oder identifiziert sich als? Quechua, Aymara, Guaraní, Chiquitano, Moxeno, Mestize, sonstiges

Wozu hat er Zugang? Wasser im Haus, öffentliches Wasser, Flusswasser, Brunnenwasser, öfftl. Stromnetz, Solarzelle, Stromgenerator, Gas, Abwasseranschluss, septischer Brunnen

Geschlecht?

Entfernung zur Schule? __Stunden __Minuten

Beruf des Schülers? Keiner, Angestellter, freier Arbeiter, Hausarbeit, Bauer, Viehzüchter

Wie kommt er zur Schule? Zu Fuss, Laster, Motorrad, Bus, Kanu, Ruderboot, Motorboot, Fahrrad

Hiermit verpflichte ich mich, immer pünktlich, gepflegt und mit kurzen Haaren (römischer Schnitt) zur Schule zu kommen. Unterschrift des Schülers.

 

„OK, das wars, jetzt stellen Sie sich wieder in die andere Schlange.“

Elly steht mittlerweilen zwei Meter weiter vorne. Es ist 17 Uhr, wir warten. Und warten und warten.

Plötzlich kommt ein Herr mit Anzug aus seinem Büro gerannt und ruft: „Hey Gringolein! Die Direktorin will mit Ihnen sprechen.“ Ich werde in einen Raum geleitet, der seit der Schulzeit meines Großvaters nicht mehr belüftet, geschweige den gestrichen wurde. In einem Stuhlkreis sitzen einige Frauen und Männer und trinken Tee. Eine typische, norddeutsche Klönschnacksituation. „Wen wollen Sie einschreiben?“, fragt die Direktorin. „Wen wollen Sie einschreiben?“, wiederholt eine Frau aus dem Stuhlkreis. „Zwei Kinder aus meinem Projekt. Ich arbeite hinten an der Plaza Ballivián.“ „Er will zwei Kinder aus seinem Projekt einschreiben, er arbeitet angeblich an der Plaza Ballivián.“, wiederholt die Frau. „Also keine Neuen?“, fragt mich die Direktorin. „Keine neuen Schüler?“, sagt der Papagei. „Nein, die beiden sind schon seit vielen Jahren hier!“ „Nein, die zwei sind wohl schon seit vielen Jahren hier!“ „OK, dann stellen Sie sich mal wieder in die Schlange.“ „Gut, dann stellen Sie sich mal wieder in die Schlange.“ Und so stelle ich mich wieder in die Schlange. Bald bin ich an der Reihe.

Es ist 18 Uhr und ich bin im Büro. Mit etwa 20 indigenen Muttis und dem Mann vor mir, der nach einem ausgedehnten Mittagsschlaf zurückgekommen ist. „Ordnen Sie bitte ihre Zettel!“, ruft eine schlecht gelaunte Frau, die nach strenger Lehrerin aussieht. „Sonst dauert alles noch viel länger.“

30 Minuten später bin ich immer noch im Büro, fast am Ende der Schlange. „42 Bolivianos [=4,20 €] bitte!“ sagt die Frau am Schreibtisch. Neben ihr schreibt eine andere fleißig Rechnungen. Und zwar so langsam, dass die Schlange sich schon auf das ganze Schulgelände ausgebreitet hat. „Vielen Dank, bis zum nächsten Jahr!“

Nach viereinhalb Stunden Warten bin ich wieder draußen. Ich kenne die Lebensgeschichten der Familien, die vor und hinter mir standen. Spannend und langweilend zugleich. Naja, nächstes Jahr hat diesen Spaß ein anderer Freiwilliger.

 

Und plötzlich habe ich Löcher im Bauch

Kleine Nebennotiz: Sonntag, 31. Januar, wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert. Man stellte fest, dass sich „meine“ Salmonellen in der Gallenblase festgesetzt hatten. Ich wurde operiert und habe nun weder Gallenblase, noch Wurmfortsatz; aufgrund des neu gewonnenen Raumes im Bauch bin ich jetzt ideale für den Drogenschmuggel geeignet. Braucht einer was :) . Dafür habe ich aber fünf Löcher im Bauch, die verheilen. Mir geht es gut und ich bin noch bis Ende der Woche krank geschrieben.

Posted by: Lukas | January 30, 2010

Reise gen Westen

Posted by: Niklas | January 29, 2010

Ein paar Alltagsepisoden

… oder was mich die letzten Wochen an mir zweifeln lässt

Mit Ende der Ferien kommen die Kinder wieder und der Alltag kehrt zurück

Ein Schrei halt über den Hof. Einige Kinder, die trotz des Regens auf dem Fussballfeld geblieben sind, drehen die Köpfe in Richtung des Haupttors. Die Erzieherin ruft nach mir, gerade wollte ich mich ein bischen zur Mittagspause hinlegen. Auf der gepflasterten Auffahrt beginnen zwei Kinder damit aufeinander einzuschlagen. Keine Rangelei, sondern heftige Faustschläge. Beim Rennen spritzt neben mir der Matsch auf. Innerhalb von Sekunden bin ich zwischen ihnen, Emílio, der jüngere der beiden, scheint es aber nicht zu bemerken. Er schlägt weiter zu, bis ich ihn mit beiden Armen festhalte. Er will sich losreissen, mich zu treten traut er sich dann aber doch nicht. Ich versuche ihn zu beruhigen. Schreie die Kinder im Umfeld an, sich aus dem Staub zu machen (“…es gibt hier nichts zu sehen…”). Muss ihm mitlerweile die Arme auf die Brust drücken, damit er nicht über Caio herfällt. Emílio schreit, heult und würgt und es wird für mich immer schwieriger ihn festzuhalten. Schliesslich schiebe ich ihn vor mir her über den Hof zu den Schwestern.

Die Schwester packt ihn so, dass er sie angucken muss. “Du wirst jetzt eintausendmal tief ein und ausatmen.” Sie hält seinen Kopf so fest, dass er sich nicht bewegen kann. “Und kein Weinen! Kein Reden! Nur Atmen!” Wir beide im Empfangszimmer der Schwestern, Emílio ruhig atmend, ich einen Arm um seine Schulter.

Warum ich mir unbewusst Elektroschocks wünsche

Habe mich dabei erwischt, mir vorzustellen, die Kinder mit einem elektrischen Halsband auszustatten. Über dieses könnte um Punkt vierzehn Uhr mittelschwere Stromschläge auslösen. So müsste ich nicht immer zwanzig Minuten meiner Arbeitszeit damit beschäftigt sein, die dreissig Kinder über das sechs Fussballfelder grosse Gelände zusammenzutrommeln.

Dadurch, dass viele der Jungs ohne Eltern aufwachsen, fehlen ihnen Liebe und Grenzen

Ich muss zugeben, dass ein grosser Gong oder eine Sirene auch ausreichen würde, die Kinder zu rufen. “Rufen” impliziert allerdings nicht, dass dem “Ruf” auch gefolgt wird. Daher die Idee mit den Elektroschocks.

Die Kinder sitzen unter einem Baum und pressen Saft aus Canju-Früchten in alte Plastikflaschen und Eimer. Es ist zwei Uhr und eigentlich sollten alle diese fröhlichen und saftpressenden Kinder mitlerweile mit mir zusammen ihre Hausaufgaben machen. José bietet mir einen Trunk an, da ich aber weiss das schon zwei Schlucke davon reichen um mich betrunken zu machen, lehne ich ab. Ausserdem bin ich im Dienst. Ich rufe freundlich: “Está na hora! Es ist soweit!” Keiner rührt sich. Ich rufe einzelne Namen und fordere sie auf, aufzustehen. Keiner rührt sich. Ich streiche einzelnen über den kahlen Kopf und drücke sie vorsichtig am Rücken auf die Beine. Keiner rührt sich. Zwei Jungs haben sich ein Versteck gebaut. Ich trete ihr Konstrukt aus Wellblech und Holz in Stücke, brülle sie an endlich in Bewegung zu kommen und werfe ihnen Canjufrüchte an den Kopf. Ich hatte in dem Moment ein bischen Angst vor mir selber. Aber keiner rührt sich. Aus Verzweiflung sage ich bestimmt: ”Wer nicht kommt, kriegt heute Nachmittag keine Kekse!” Endlich kommt Bewegung in den lahmen Haufen. Zehn Minuten später ist der Klassenraum voll.

Und diese und solche Variationen passieren jeden Tag.

Positive Veränderungen

Es ist normative Sitzung. Das pädagogische Team stellt Leitlinien für das kommende Jahr auf. Besondere Betonung soll dabei dieses Jahr auf Respekt voreinander und miteinander liegen. Auch die schulischen Leistungen werden gestärkt, indem im kommenden Jahr kein Kind mehr zum Arbeiten aus der Hausaufgabenhilfe geholt werden kann. Ein kleiner Sieg für mich.

Manchmal zweifele ich echt an meinem Verstand...

Die Direktorin des Zentrums schlägt vor, ein Buch einzuführen, in dass alle Disziplinarverstösse der Jungs eingetragen werden. Am Monatsende soll in grosser Runde evaluiert, bestraft und belohnt werden. An sich ein sinnvolles System. Dennoch habe ich Einwände: “Ziel einer Bestrafung soll doch sein, dass die Kinder ihr Verhalten ändern und überdenken. Idealfall wäre dabei natürlich, dass die Kinder ihr Fehlverhalten auch einsehen. Wäre es da nicht ebenso sinnvoll sie im richtigen Verhalten zu bestärken?” Wir beschliessen also ein Buch einzuführen, in dem sowohl positive, als auch negative Auffälligkeiten der Kinder aufgeführt werden, die dann am Ende des Monats gemeinsam besprochen werden. Ich gebe zu, dass das bei drei Betreuern für vierzig Kinder ein administrativer Kraftakt ist, aber dennoch fühle ich mich gut dabei, die Kinder im richtigen Tun bestärken zu können, mit der Aussicht, dass so Strafen nicht mehr nötig sind.

“Am pädagogisch wertvollsten sind Schläge auf das Gesäss oder auf die Hände.” Ich glaubte mich verhört zu haben. Vergeblich bemühe ich mich, das Gespräche zu unterbrechen. “Und nicht mit den Händen. Immer etwas in die Hand nehmen, denn Pädagogen sagen, dass das Kind besser Aggressionen gegen Schuhe und Gürtel entwickeln sollte, als gegen seine Bezugspersonen.” Das halte ich nicht länger aus! “Nein, Schwester, Sie haben mich falsch verstanden. Ich werde keine Kinder schlagen, weder aus Affekt, noch als Strafe.” Eine kurze Stille tritt im Raum ein. “Okay”, sagt die Oberschwester nachdenklich, “dann lasst uns verabschieden, dass wir zur Strafe keine Kinder schlagen werden.” Innerlich jubiliere ich.

Abschliessendes, Verbliebenes, Persönliches

Ich bringe jetzt vier von den älteren Jungs Lesen und Schreiben bei. Sie sind vierzehn und fünfzehn und haben von der Direktorin eine Frist bis März bekommen. Sollten sie bis dahin nicht Lesen können, werden sie nicht mehr im Zentrum wohnen dürfen und müssen in ihre Familien zurückkehren. Es ist ein gutes Gefühl sie einzeln zum Lernen bei mir zu haben und es ist schön ihre Fortschritte täglich sehen und ihnen auch zeigen zu können. Habe mitlerweile so viel Arbeit, dass die Schwestern meine Anfangszeit morgens von 6:30 Uhr auf 8:15 Uhr verschoben haben, da die Schwestern sich Sorgen um meinen Blutdruck machen.

Obwohl ich manchmal bei dem was ich erlebe an meinem Verstand zweifele, gibt es viele Momente in denen ich etwas bewegen kann. Das macht mir Mut.

Posted by: Lukas | January 20, 2010

Saus- und Brausamerika

und noch eine schöne Nachricht:

Der Präsident des Plurinationalen Staates Bolivien hat am 20. Januar folgendes beschlossen:
Nämlich wird der 22. Januar zum Nationalfeiertag erklärt, zu Ehren der Schaffung des Plurinationalen Staates.

Lustig, oder?

Posted by: Lukas | January 20, 2010

Ein neues Schuljahr beginnt

Liebe Eltern, liebe Erziehungsberechtigten,

wenn Sie ihre Kinder für das Schuljahr 2010 einschreiben wollen, dann halten Sie bitte folgende Unterlagen bereit:

Geburtsurkunde des Kindes (1 Kopie)

Personalausweis  der Eltern/Tutoren (3 Kopien)

Zeugnis des Vorjahres (Original und 2 Kopien)

Stromrechnung (Original und 1 Kopie)

Wasserrechnung (Original und 1 Kopie)

Vielen Dank

Colegio San Marcos [Schule des heiligen Markus]

Posted by: Lukas | January 20, 2010

Zurueck im Leben

Liebe Leser, ich bin wieder zureck von einer aufregenden und spannenden Reise durch den Westen Suedamerikas. Von Muecken zerstochen und mit sich vor Sonnenbrand schaelender Haut sitze ich nun an einem Computer mit zwei Pullovern und eiskalten Haenden und schreibe diese Zeilen. Bilder werde ich spaeter hochladen. Man wird heisse Wuesten, tropischen Dschungel und schneebedeckte Berge sehen koennen. Bilder von alten Hochkulturen und ihren Tempeln. Und natuerlich auch von dem wagemutigen Abenteurer und seiner Gruppe. Bis zu den Bildern. Herzlichst Lukas

Posted by: Niklas | January 16, 2010

6000 Kilometer, 41 Tage, zwei Länder

Der Zeitrahmen war knapp gesteckt. Am 2. Dezember sollte ich von Ressano Garcia aufbrechen, um dann via Maputo, Xai-Xai, Inhambane, Beira, Quelimane, Nampula, Ilha de Mocambique am 16. Dezember in Pemba anzukommen. Abmachung: nur oeffentliche Verkehrsmittel, nie mehr als 1500 Meticais (knapp 35 Euro) in der Tasche und egal von wo aus am 17. wieder in Maputo sein. Denn ab dem 18. sollte ich Janna und ihre Familie mit dem Wohnmobil durch Suedafrika begleiten.

Man sagt, dass Mosambik jeglicher Planung wiederstrebt und Ungeduld zum ersten Staatsfeind macht. Das hat sich bestaetigt – ich habe weder Quelimane, noch die angeblich wundervolle Ilha de Mocambique gesehen. Allerdings sagt man auch, dass in Mosambik mit Geduld und Humor die schoensten Momente eines Lebens geschehen koennen. Auf der Haelfte meines Weges wurde meine Kreditkarte gesperrt, so dass ich den gesamten Norden Mosambiks mit leeren Taschen bestreiten musste. Dabei habe ich viele Menschen getroffen, die ihre Tueren fuer mich geoeffnet haben und mich aus den absurdesten Situationen wieder herausgeholt haben. Und dabei har keiner von ihnen hat eine Gegenleistung verlangt. “Eines Tages werde ich eine Weltreise machen”, habe ich gehoert, “und dann hoffe ich, dass mir unterwegs die gleiche Gastfreundschaft wiederfaehrt.”

Menschen reisen um von A nach B zu kommen. Um Abenteuer zu finden. Um davon zu erzaehlen. Um vor sich selbst davon zu laufen. Um sich einen Traum zu erfuellen. Aber was mich am meisten reizt, sind diese unvorhersehbaren Zufaelle, die ueberall passieren koennen, die das ganze Buehnenbild verkehren, die Rollen austauschen und das Licht aus einem anderen Winkel scheinen laesst - und fuer die ich nicht mal bis Mosambik reisen muesste.

Für die Geschichte bitte auf die Fotos klicken…

Aufgrund des Zeitdrucks ist der Artikel nicht allzu ausführlich und schreiberlich anspruchsvoll geworden. Ich setze in den nächsten Tagen vielleicht noch Fotos nach. So long…

Posted by: Lukas | December 28, 2009

Go West!

Endlich habe ich ein para Tage frei! Juhu!

Und was macht der normalsterbliche Freiwillige da? Er fängt an sich von seiner gewohnten Umgebung zu lösen und beginnt, die Welt mit eigenen Flügeln zu erkunden. So auch ich. Morgen Mittag geht mein Bus in Richtung Westen; ans Meer. Ins trockenste Gebiet der Erde, die Atacamawüste. Es gibt hier Wetterstationen, welche seit ihrer Inbetriebnahme noch nicht einen Tropfen Regen verzeichnet haben. Danach fahre ich – so der Plan – nach Cuzco, in die Hauptstadt des Inkareiches. Und dann? Mal schauen!

 So, dann hoffe ich mal, dass es nicht zu doll regnet. In La Paz kann man das Haus nämlich nicht ohne Regenschirm verlassen; so habe ich mir Sommer nicht vorgestellt. Betrug! Betrug!+

;)

Liebe Leser und Freunde und lesenden Freunde, ich melde mich, sobald ich von meiner Abenteuertour durch den Westen Südamerikas zurück bin.

Herzlichst

Lukas

Boah, hab ich lange nichts mehr geschrieben. Ja, ich bin schon ein sehr schreibfauler Mensch…
Also, was gibt es zu berichten? Es ist immer schwieriger was zu berichten, weil mir alles immer normaler vorkommt, beziehungsweise mich nicht mehr so viel schocken kann.
Aber dennoch versuch ich mal zu einigen Stichpunkten was zu publizieren:

Zwischenseminar
Es ist tatsächlich schon ein Viertel meiner Zeit um (naja, genauer gesagt an Heiligabend). Drum hatten wir Anfang Dezember unser erstes Zwischenseminar in Phnom Penh (die Stadt, die alles hat). Das beste am Seminar: Das geile Essen beim Empfang im Deutschen Haus und das Essen bei der Bootstour entlang der Skyline Phnom Penhs. Ansonsten war es mal ganz spannend zu sehen, was ich bei meiner Ankunft für Erwartungen hatte und dass sie sich größtenteils schon erfüllten.

Informal Settlements
Wir waren nun mehrmals mit dem Informal Settlement Program des DEDs in nicht erlaubten Siedlungsbauten. Wobei das nicht so einfach ist mit dem nicht erlaubt. Viele bauten einfach, als es noch keine intakte Regierung gab. Oder halt auf Geländen, die Ewigkeiten nicht genutzt wurden. So zum Beispiel auf dem Bahnhofsgelände und auf dem ehemaligen Schienennetz in Kambodscha. Nun ist eine Zugverbindung von Thailand über Kambodscha nach Vietnam geplant. Dass auf den Schienen nicht gewohnt werden kann, versteht sich von selbst. Es müssen darüber hinaus aber auch bestimmte Sicherheitsbereiche um die Schienen herum eingehalten werden. Weiter werden die Bahnhofgebäude auch wieder benötigt, die einen perfekten Unterschlupf bieten für viele Familien. Neben den vom Railway Rehabilitation Program betroffenen Familien wohnen auch welche auf öffentlichem Straßenverkehrsraum, auf Fabrikgeländen, auf öffentlichen Geländen (Krankenhäusern, Flughäfen, Hilfsorganisationen) und auf Privatgeländen (mit oftmals fragwürdigen Besitzansprüchen reicher/einflussreicher Kambodschaner).
Somit gibt es viele Familien, die keine Landrechte für ihr Haus/Grundstück haben und eventuell umsiedeln müssen.
Es gibt zwar auch einige wohlhabendere Settlements, aber größtenteils sind es kleine Holzhütten ohne Infrastrukturanschluss. Die hygienischen Verhältnisse sind schlecht und in der Regensaison steht alles unter Wasser, sodass der Müll großflächig verteilt wird. Da jedoch, wie oben erwähnt, die Besitzansprüche, oder die Stadtentwicklungspläne unklar sind, wird nichts investiert in die Siedlungen.
Daher bietet es sich mehr als an, dass wir von Youth for Peace uns dort auch engagieren werden zusammen mit dem weiteren Programm.

Human Rights Day – Straßenkinder
Am 10. Dezember war der internationale Human Rights Day. Die Organisation Kinyei organisierte eine öffentliche Veranstaltung direkt in Battambang, wobei Friedrich und ich ein Fußballturnier organisierten. Die Teams mussten gegeneinander spielen und Fragen über Menschenrechte beantworten, wofür sie das Wissen bei den anderen Organisationen bekamen. Für Spiel und Antwort gab es jeweils Punkte – und siehe da: den ersten Platz machte ein Team von Straßenkindern, die sich sonst auf/um dem Gelände aufhalten und den zweiten Platz belegten ein Mädchenteam. Die ganzen “professionellen” Teams kamen dahinter.
Straßenkinder zu sehen, ist immer heftig…eigentlich rennen hier alle Kids mit blauer Hose und weißem Hemd rum, also in Schuluniform. Aber die Straßenkinder laufen in ihren kaputten Klamotten mit einem Müllsammelsack auf dem Rücken, statt einem Schulranzen. Dazu passt denn öfters noch eine Tüte Kleber, oder letztens gesehen: eine Zigarette im Mund.

Weihnachten in der Wärme
In Deutschland ist es weiß, hier eher khaki. Der Staub der nicht geteerten Straßen bedeckt die Büsche und Gräser am Straßenrand. Es hat ewig nicht mehr geregnet und wird es wohl auch nicht mehr bis zum nächsten August.
Wenn ich höre, wie alle erfrieren zu Hause, vermiss ich es sogar. Nicht unbedingt die eisige Kälte, aber die Weihnachtszeit. Hier gibt es höchstens mal bei einigen großen Banken “Merry Christmas”-Deko, aber ansonsten kümmert das hier keinen.

Hochzeitssaison
Überall wird hier geheiratet. Zu erkennen an den bunten und immer gleichen Zelten in den Straßen. Meiner Statistik nach in jeder Straße dieser Stadt innerhalb einer Woche einmal. An den Zelten sind Lautsprecher angebracht, die zwischen 4.00Uhr und 6.00Uhr(morgens!) anfangen lautstark die Stadt mit Khmei-Musik zu beschallen. Somit wird mein Schlaf zurzeit vor allem durch die Hochzeiten in unserer Straße bestimmt.
Neben den Hochzeiten werden auch Beerdigungen, Kindergeburtstage, 1 Woche nach dem Kindergeburtstag, 1 Monat nach dem Kindergeburtstag und so weiter gefeiert, je nach vorhandenem Budget.
Nur zur Info: Die Musik stört mich natürlich fast gar nicht…

Posted by: Lukas | December 19, 2009

Technik, die begeistert

Soeben erhielt ich von der deutschen Botschaft in Bolivien folgende E-Mail:

Liebe weltwärts-Freiwilligen,
die deutsche Botschaft La Paz hat im Portal „facebook“ eine Gruppe „weltwärts-Freiwillige
in Bolivien“ angelegt und bietet allen weltwärts-Freiwilligen an, sich in diese Gruppe einzu-
tragen, um miteinander in Kontakt zu bleiben oder auch mit der Botschaft zu kommunizieren
Wir werden hier für Sie Informationen und allgemeine Hinweise einstellen.
Das Team der deutschen Botschaft wünscht Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten
Start ins neue Jahr. [...]

Die sind doch gut auf Draht, was?

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