Verfasst von: Niklas | Dezember 4, 2010

About Global People

Der Film gibt einen kurzen Einblick in die Erfahrungen von weltwaerts-Freiwilligen in Suedafrika. Der Film wurde auf der SageNet-Konferenz „Volunteerism – Footprints in Social Development“ vom 17.-19. November 2010 in Cape Town, SA, gezeigt und ist jetzt im Youtube-Channel des DED verfuegbar. Viel Spass!

Der Film besteht aus Orignaltoenen von am weltwaerts-Programm beteiligten Akteuren – Freiwillige, Partnerorganisationen und dem DED als Entsendeorganisation. Ich habe versucht den Film nicht als repraesentativen Werbefilm zu gestalten, sondern kurze, subjektive Eindruecke der Arbeit und Erfahrung im weltwaerts-Programm wiederzugeben.

Verfasst von: Niklas | November 5, 2010

Granit

DSC02458Eine gewaltige Mauer aus Granit erhebt sich langsam ueber den Horizont. Mit jedem Kilometer, dem ich mir ihr naehere, erheben sich die Berge weitere Meter ueber den Horizont. Lesotho.

Bei Maseru gibt es einen Drive-Thru-Grenzuebergang. Der Grenzbeamte winkt mich zu sich durch. Herzlich Willkommen bei McDonalds! Ihre Bestellung, bitte?

Alles ist voller Berge. Und es ist gruen und weit. Ich kann endlich wieder laufen, das Auto stehen lassen, Bus fahren.

DSC02222Maseru ist eine gewachsene Stadt. Keine geplante, kein Schachbrett und keine Segregation. Das Land hat vom wenigen Bergbau und der Produktion von Jeans fuer chinesische Unternehmen keine eigene Produktion. Dafuer sind fast alle internationalen Organisationen in Maseru vertreten. Auch ein Wirtschaftsfaktor.

Es gab ein Jazzfestival mit Kuenstlern aus Lesotho. An einem einsamen Platz, zwei Stunden von Maseru. Das Instrument, das mich am Abend am meisten ueberraschte, war das Akkordeon.

Die weltwaerts-Freiwilligen in DSC02486Lesotho haben mich beeindruckt. Sie sprechen bereits nach einem Monat seSotho und sind in ihren kleinen Doerfern am Rande der Peripherie durchaus zufrieden. Einer, den es nicht an einem Ort haelt, hat sich jetzt einen Esel zugelegt.

Frei sein, meine Gepsraechspartner, mein Verkehrsmittel, meine Sprache zu waehlen. Dankbar, auf mein Umfeld angewiesen zu sein.

Verfasst von: Lukas | Oktober 23, 2010

BGB – bolivianischer Gingko Biloba

t = zweieinhalb Monate in Deutschland

Es regnet viel, der Wind braust. Mein Fahrrad prescht wie von selbst durch den peitschenden Regen. Von mir gelenkt. Doch mehr von selbst als durch mich bewegt es sich.

Ich blinzle in die Sonne und ziehe meinen Hut weiter vor, ich will schließlich nicht schon wieder Sonnenbrand haben. Eine Frau mit weitem Rock, Pulli und Bowlerhut will mir roten Wackelpudding mit Eischnee verkaufen. „Zwei Bolivianos! Komm schon! Ist doch lecker! Animier dich! Ya pues, joven!“ Ich lehne dankend ab und gehe weiter.

Ein älterer Herr ruft in meiner Nähe nach seinem Hund durch den Regen. „Komm her!“ Verstört schaue ich durch meine feuchte Brille zu ihm. „Na komm!“ Es verstreichen ein paar Sekunden. Ich kann mein Gehirn rattern hören. Plötzlich leuchtet die Birne und mir ist klar, dass es hierzulande normal ist, dass Leute auf der Straße deutsch sprechen. Ganz normal.

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Essen in der Mensa. Es gibt Kartoffelsuppe mit Würstchen darin. Da es nach zu wenig aussieht nehme ich noch eine Pommesbeilage dazu. Wir sitzen am Tisch. Andere Physik- und Ingenieurstudenten. Ich nehme die Schale Pommes und kippe sie ohne zu zögern in meine Suppe. Meine Kommilitonen schauen mich kurz entsetzt an, sagen jedoch nichts.

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Auf dem Gemeindebüro: Ein paar Menschen stehen orientierungslos und gelangweilt hereinschauend im Gang herum. Ich gehe zum Schalter und sage: „Entschuldigen Sie, aber ich hätte gerne eine Wartenummer.“ Die Frau entgegnet mir schroff: „Können Sie sich nicht hinten anstellen?!“ „Wo hinten?“ „Ja hinten in der Schlange!“ Ich drehe mich um und stelle fest, dass die orientierungslosen Leute eine (wenn ich viel Fantasie anbringe) Art Schlange bilden. Leicht errötet stelle ich mich hinten an.

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Ich gehe spazieren und gelange schließlich an eine rote Ampel. Ich sehe mich um, ob Kinder, Jugendliche oder Frauen mit Kinderwagen in der Nähe sind. Nein? Dann kann es ja losgehen. Ich beginne, die Straße zu überqueren. Ein Auto kommt mit quietschenden Reifen zum stehen. Ich schaue es abfällig an und denke mir, was für ein Idiot da hinterm Steuer sitzen muss.

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Ich höre die Rufe der Busausrufer, also derer, die ausrufen, wo der Bus hinfahren wird; frage noch eben, was es kostet und ob es da tatsächlich hingeht; quetsche mich in die vorletzte Reihe und werde zusammengepresst. Der Bus fährt hupend und rasant los.

Ich sehe auf den Fahrplan (Unglaublich!!! Ein Fahrplan!!! Es gibt ihn tatsächlich!!!). Steige in den Bus ein, der soeben kommt und setze mich auf einen bequemen Platz.

 

 

All dies beschreibt Situationen und Verhaltensweisen, die irgendwie „anders“ sind. Tatsächlich waren Busse natürlich schon immer so. Jedoch wecken sie in mir ein Gefühl der „Befremdung“. Es ist seltsam aber doch vertraut. Schwer zu beschreiben. Vielleicht so, wie wenn man bei Familienangehörigen zu Besuch ist und dort übernachtet. Man ist geborgen aber doch fremd. Willkommen und fühlt sich zugleich als Fremdkörper. Zumindest ist das so ähnlich. Manchmal ist das Gefühl gut, manchmal schlecht; aber immer erfrischend. Erfrischend, einen Einblick in das zu bekommen, was sich da alles verändert hat.

Physisch gesehen bin ich wieder da. Psychisch nur zeitweise. Da esse ich bei Freunden eine Erdnusssuppe und bin plötzlich nahtlos in meinem Schreibtischstuhl an der Mathematikaufgabe. Ganz merkwürdige Sache!

Hierzu fällt mir ein Gedicht Goethes ein:

Gingo Biloba

Dieses Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Giebt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut,

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt?

Solche Frage zu erwiedern,
Fand ich wohl den rechten Sinn,
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

Man müsste eigentlich nur den Osten durch den Westen ersetzen und ich fühlte mich wahrhaft vom Gedicht verstanden und adäquat ausgedrückt. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich wieder hier bin. Noch spannender ist eigentlich die Frage: Werde ich es je sein und will ich das überhaupt?

Verfasst von: Niklas | Oktober 11, 2010

Teaser fuer Workshop an der Deutschen Schule Pretoria

Und wieder anderer Ort. Wieder andere Zeit. Wieder anderes Projekt.

Heute war Auftaktveranstaltung fuer meinen Film-Workshop an der Deutschen Schule in Pretoria. In meiner Eigenschaft als weltwaerts-Frewilliger werde ich acht Schueler dabei betreuen einen Film ueber ihre Schule zu drehen. Den folgenden Trailer habe ich heute morgen bei der Praesentation verwendet. Zugegebenermassen, an einen wirklichen Stummfilm bin ich nicht rangekommen. Ich wollte eigentlich Louis Armstrongs „A Kiss to Build a Dream on“ benutzen, daraufhin meinte Youtube aber, dass Sony da Rechte drauf hat. Also schnell geswappt.

Das Projekt geht ueber fuenf Wochen und am Ende wird ein zehnminuetiger Kurzfilm ueber die Deutsche Schule enstanden sein. Not very African, but very special although.

Verfasst von: Niklas | Oktober 8, 2010

Townshiptoilettenstandard

Donnerstag, 8. Oktober – Drehtag #4, East London

Der Begriff „Elend“ ist voreingenommen. Das Wort „Elendsviertel“ erzeugt Bilder von Waescheleinen, brennenden Muelltonnen, Kindern mit Fliegen in den Augen und Frauen, die ihre Waesche in einem verdreckten Fluss waschen. Der Begriff suggeriert im Deutschen, dass „Elend“ und „Armut“ eine Abweichung vom Normalfall ist.

Duncan Village in East London

Als Normalfall nehmen wir hierzu das in Deutschland gewoehnliche Badezimmer, mit Dusche oder Badewannde, das trinkbare, nicht nach Chlor schmeckende Wasser aus der Leitung und die hundertprozentige Verfuegbarkeit von elektrischer Energie. Die Tatsache, dass ueber die Haelfte der Weltbevoelkerung diesen Standard nicht teilen kann, wirft Fragen auf. Geht es um „Elend“ oder „Ueberfluss“, um „Armut“ oder „Luxus“, um unterdurchschnittlich „Arm“ oder um ueberdurchschnittlich „Reich“?

Mit Dr Beez und Mr Mbane waren wir im Township unterwegs. Auf das Filmen dieser kleinen, plastische Geschichte, hatte ich mich sehr gefreut. Im Mai 2009 hatten Aktivisten in oeffentlichen Putzaktionen auf den schlechten Zustand oeffentlicher Toiletten im Township Duncan Village in East London hingewiesen.

Die alten Toiletten dienten mir als Symbol fuer die hygienischen Zustaende

Die Lokalverwaltung musste auf oeffentlichen Druck daraufhin neue, saubere, hygienische Toiletten bauen lassen. Die Workshops wurden von der Deutschen Entwicklungs-zusammenarbeit mit durchgefuert. Klasse, schoene Bilder, super nachzuvollziehen.

Den Vormittag filmten wir im Buero der Eastern Cape NGO Coalition Bilder vom Aktionstag ab und trafen uns dann in Duncan Village mit Mr Mbane. Er war an der Putzaktion beteiligt und zeigte uns die alten Toiletten. Wir hatten Glueck. Eine der Toiletten quillte ueber, weil jemand anstatt Toiletten- Zeitungspapier verwendet hatte und die Wasserspuelung nicht ausreichte. Oben auf lag noch das Ergebnis der letzten Sitzung. Ein wundervolles Bild.

Wundervoll fuer mich als Filmemacher, der am selben Tag wieder faehrt. Unangenehm, fuer die acht Familien, die sich die Toilette teilen muessen. Gut, dass es zumindest in Duncan Village jetzt neue Toiletten gibt:

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