Posted by: Matthias | December 22, 2009

Es weihnachtet sehr, oder auch: mir fällt kein besserer Titel ein

Boah, hab ich lange nichts mehr geschrieben. Ja, ich bin schon ein sehr schreibfauler Mensch…
Also, was gibt es zu berichten? Es ist immer schwieriger was zu berichten, weil mir alles immer normaler vorkommt, beziehungsweise mich nicht mehr so viel schocken kann.
Aber dennoch versuch ich mal zu einigen Stichpunkten was zu publizieren:

Zwischenseminar
Es ist tatsächlich schon ein Viertel meiner Zeit um (naja, genauer gesagt an Heiligabend). Drum hatten wir Anfang Dezember unser erstes Zwischenseminar in Phnom Penh (die Stadt, die alles hat). Das beste am Seminar: Das geile Essen beim Empfang im Deutschen Haus und das Essen bei der Bootstour entlang der Skyline Phnom Penhs. Ansonsten war es mal ganz spannend zu sehen, was ich bei meiner Ankunft für Erwartungen hatte und dass sie sich größtenteils schon erfüllten.

Informal Settlements
Wir waren nun mehrmals mit dem Informal Settlement Program des DEDs in nicht erlaubten Siedlungsbauten. Wobei das nicht so einfach ist mit dem nicht erlaubt. Viele bauten einfach, als es noch keine intakte Regierung gab. Oder halt auf Geländen, die Ewigkeiten nicht genutzt wurden. So zum Beispiel auf dem Bahnhofsgelände und auf dem ehemaligen Schienennetz in Kambodscha. Nun ist eine Zugverbindung von Thailand über Kambodscha nach Vietnam geplant. Dass auf den Schienen nicht gewohnt werden kann, versteht sich von selbst. Es müssen darüber hinaus aber auch bestimmte Sicherheitsbereiche um die Schienen herum eingehalten werden. Weiter werden die Bahnhofgebäude auch wieder benötigt, die einen perfekten Unterschlupf bieten für viele Familien. Neben den vom Railway Rehabilitation Program betroffenen Familien wohnen auch welche auf öffentlichem Straßenverkehrsraum, auf Fabrikgeländen, auf öffentlichen Geländen (Krankenhäusern, Flughäfen, Hilfsorganisationen) und auf Privatgeländen (mit oftmals fragwürdigen Besitzansprüchen reicher/einflussreicher Kambodschaner).
Somit gibt es viele Familien, die keine Landrechte für ihr Haus/Grundstück haben und eventuell umsiedeln müssen.
Es gibt zwar auch einige wohlhabendere Settlements, aber größtenteils sind es kleine Holzhütten ohne Infrastrukturanschluss. Die hygienischen Verhältnisse sind schlecht und in der Regensaison steht alles unter Wasser, sodass der Müll großflächig verteilt wird. Da jedoch, wie oben erwähnt, die Besitzansprüche, oder die Stadtentwicklungspläne unklar sind, wird nichts investiert in die Siedlungen.
Daher bietet es sich mehr als an, dass wir von Youth for Peace uns dort auch engagieren werden zusammen mit dem weiteren Programm.

Human Rights Day – Straßenkinder
Am 10. Dezember war der internationale Human Rights Day. Die Organisation Kinyei organisierte eine öffentliche Veranstaltung direkt in Battambang, wobei Friedrich und ich ein Fußballturnier organisierten. Die Teams mussten gegeneinander spielen und Fragen über Menschenrechte beantworten, wofür sie das Wissen bei den anderen Organisationen bekamen. Für Spiel und Antwort gab es jeweils Punkte – und siehe da: den ersten Platz machte ein Team von Straßenkindern, die sich sonst auf/um dem Gelände aufhalten und den zweiten Platz belegten ein Mädchenteam. Die ganzen “professionellen” Teams kamen dahinter.
Straßenkinder zu sehen, ist immer heftig…eigentlich rennen hier alle Kids mit blauer Hose und weißem Hemd rum, also in Schuluniform. Aber die Straßenkinder laufen in ihren kaputten Klamotten mit einem Müllsammelsack auf dem Rücken, statt einem Schulranzen. Dazu passt denn öfters noch eine Tüte Kleber, oder letztens gesehen: eine Zigarette im Mund.

Weihnachten in der Wärme
In Deutschland ist es weiß, hier eher khaki. Der Staub der nicht geteerten Straßen bedeckt die Büsche und Gräser am Straßenrand. Es hat ewig nicht mehr geregnet und wird es wohl auch nicht mehr bis zum nächsten August.
Wenn ich höre, wie alle erfrieren zu Hause, vermiss ich es sogar. Nicht unbedingt die eisige Kälte, aber die Weihnachtszeit. Hier gibt es höchstens mal bei einigen großen Banken “Merry Christmas”-Deko, aber ansonsten kümmert das hier keinen.

Hochzeitssaison
Überall wird hier geheiratet. Zu erkennen an den bunten und immer gleichen Zelten in den Straßen. Meiner Statistik nach in jeder Straße dieser Stadt innerhalb einer Woche einmal. An den Zelten sind Lautsprecher angebracht, die zwischen 4.00Uhr und 6.00Uhr(morgens!) anfangen lautstark die Stadt mit Khmei-Musik zu beschallen. Somit wird mein Schlaf zurzeit vor allem durch die Hochzeiten in unserer Straße bestimmt.
Neben den Hochzeiten werden auch Beerdigungen, Kindergeburtstage, 1 Woche nach dem Kindergeburtstag, 1 Monat nach dem Kindergeburtstag und so weiter gefeiert, je nach vorhandenem Budget.
Nur zur Info: Die Musik stört mich natürlich fast gar nicht…


Responses

  1. Mein Gott!
    Wieviele Zwischenseminare habt ihr denn?
    Wir haben nur eins, nämlich genau “dazwischen”.
    lieben Gruss und frohe Weihnachten

  2. 3 insgesamt, wenn ich mich richtig entsinne. ja bei weltwärts wird evaluiert und evaluiert ;-)

  3. Wie es aussieht ist in Kambodscha immer noch Weihnachten…

  4. Ohja, der Weihnachtsschmuck hängt noch überall, der Schnee liegt noch 30cm hoch, die Tannenbäume sind noch grün ;-)


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